Männergesangverein Weßling e.V.

gegr. 1904

 

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Geschichte des Männergesangverein Weßling

Die Vorgeschichte.

Aus den Anfängen des Männergesangverein gibt es, außer der Gründungsurkunde, keine schriftlichen Unterlagen. Im Jahr 1968 hat der damalige Chorleiter und Chronist, Georg Roßmann, drei der noch lebenden Alt-Mitglieder nach ihren Erinnerungen an die Frühzeit des Männergesangverein befragt. Es waren

Schmid Luitpold geb. 21.02.1891 gest. 03.01.1978      Mitgl. ab 1907

Haug Karl geb. 20.10.1905 gest. 14.11.1968               Mitgl. ab 1920

Schneider Thomas geb. 01.08.1890 gest. 14.12.1974   Mitgl. ab 1907

Nur Sangesbruder Thomas Schneider hat seine Erinnerungen in schriftlicher Form festgehalten.

Die Geschichte des Chorgesanges in Weßling beginnt mit der Versetzung von Oberlehrer Felix Besold im Juni 1897 nach Weßling. Bis zu diesem Zeitpunkt gab es in Weßling weder einen Kirchenchor noch Gesangverein. Ab 1900 lernte Oberlehrer Besold mit den Schulkindern eine Leitner-Messe (G-dur) zweistimmig ein. Ab 1902 konnte schon ein Chor aus Frauen und Männern die Agnes-Messe aufführen. Die männlichen Mitglieder des Kirchenchores trafen sich ab diesem Zeitpunkt, wie Sangesbruder Th. Schneider schreibt, im Nebenzimmer des Gasthof „Post" in Weßling zum Gesang. Geleitet wurde dieser „Chor" von Oberlehrer Besold.

Thomas Schneider hat seine Erinnerungen auf bitten des damaligen Chronisten G. Roßmann im Jahr 1968 aufgeschrieben

Die Gründung des Verein

Am 28. Januar 1904 trafen sich im Gasthof zur Sonne in Oberpfaffenhofen sangesfreudige Männer aus Weßling, die Sänger aus dem Kirchenchor und dem Gasthof „Post" in Weßling, und Männer aus Oberpfaffenhofen um einen gemeinsamen Männergesangverein zu gründen. Im ersten Anlauf funktionierte dies noch nicht so richtig, aber am 9. April des gleichen Jahres fand dann die richtige Gründung des Vereins statt.

 

Was aus diesem Protokoll nicht hervorgeht, die Proben fanden im Nebenzimmer des Gasthof „Post" in Weßling statt. Der Gasthof zur Sonne in Oberpfaffenhofen hatte keine geeigneten Räumlichkeiten, wo ungestört gesungen werden konnte. Es ist auch nicht ersichtlich welchen Namen dieser Verein getragen hat. Als SB Th. Schneider 1907 in den Verein eintrat entstand schon der Sängerspruch, ebenso ist davon auszugehen, dass auch der Name des Verein schon bestand. Name und Sängerspruch sind auf der Standarte, die 1921 geweiht wurde, zu lesen.

Die ersten Jahre.

Über die Jahre von 1904 bis 1923 gibt es nur mündliche Überlieferungen. So schreibt Sangesbruder Thomas Schneider, dass im Jahr 1910 Veterinärarzt Lothar Hofmiller nach Weßling kam und Mitglied bei den Sängern wurde, war er die treibende Kraft für viele Aktivitäten im Verein. Leider verlagerte sich damit aber auch der Schwerpunkt des Vereines nach Weßling und die Sänger aus Oberpfaffenhofen fühlten sich nicht mehr gut vertreten in diesem Verein. Im Nebenzimmer des Gasthof „Post" in Weßling waren die Chorproben, im großen Saal des Gasthofes die Veranstaltungen. Lothar Hofmiller war der Organisator und die treibende Kraft, aber eben mit Schwerpunkt in Weßling. Der erste Weltkrieg machte einen tiefen Einschnitt in das Vereinsleben. Viele der Sänger waren an der Front, einige kehrten aus dem Krieg nicht mehr zurück. Nach Kriegsende dauerte es noch eine geraume Zeit bis die Sänger in den folgenden Notjahren der Inflation sich wieder zusammen fanden. Hier war es wieder der unverwüstliche Tierarzt Lothar Hofmüller, der unermüdlich für den deutschen Gesang und für die Geselligkeit innerhalb der Dorfgemeinde warb. So war bis zum Jahr 1920 die Anzahl der Sänger aus Weßling auf 27 angewachsen. Mitglieder aus Oberpfaffenhofen wurden nicht erwähnt.

4. Die Weihe der Standarte.

Für die Zeit von 1920 bis 1923 gibt es widersprüchliche Versionen der Vereinsgeschichte. Es wird von einem Verein in Weßling gesprochen, der angeblich 1920 gegründet wurde. Dem widerspricht aber die Tatsache, dass 1921 eine Standarte angeschafft und geweiht wurde. „Die haben wir Weßlinger ganz alleine bezahlt", erzählte Luitpold Schmid immer wieder. Die Fahnenweihe fand am 10. Juli 1921 statt. Die Aufschrift auf der Fahne lautet klar „Sängerlust Oberpfaffenhofen – Weßling".

Trennung und Wiedervereinigung.

Waren die Vorgänge um die Anschaffung der Standarte die Gründe für die Abkehr der Sänger von Oberpfaffenhofen vom gemeinsamen Verein? Oder hat Weßling diese Standarte alleine gekauft und geweiht, war von Oberpfaffenhofen schon niemand mehr Mitglied im Verein? Fragen über Fragen die wohl heute niemand mehr beantworten kann. Es ist davon auszugehen, dass um diese Zeit in Oberpfaffenhofen ein eigener Verein gegründet wurde. In Weßling sprach man nur mehr vom „Männergesangverein Weßling". In Oberpfaffenhofen wurde der Verein „Männergesangverein „Sängerlust" Oberpfaffenhofen" genannt. Namensänderungen konnte leicht durchgeführt werden, es gab noch keine Eintragungen in ein Vereinsregister.

Ein ungutes Gefühl musste wohl bei beiden Vereinen geherrscht haben, denn bereits 1923 wurden Kontakte geknüpft zum Zwecke der Vereinigung beider Vereine. Am 4. Nov. 1923 trafen sich die Mitglieder der beiden Vereine um die Vereinigung zu beschließen.

Die gefassten Beschlüsse spiegeln mit Sicherheit die unangenehmen Erfahrungen der vergangenen Zeit und man wollte sie in den Statuten geregelt wissen.

 

Weßling, den 4. Nov. 1923

Vertreterversammlung

Zum Zwecke des Zusammenschlusses des MGV „Sängerlust" Oberpfaffenhofen und des MGV Weßling.

Auf Anregung des MGV Weßling traten die Vertreter beider Vereine am 4. November bei Dallmayr in Weßling zur Beratung bezüglich eines Zusammenschlusses beider Vereine in Verhandlungen.

Das Ergebnis der Verhandlung war folgendes:

1. Die beiden Vereine schließen sich zusammen und bilden einen neuen Verein unter dem Namen: Männergesangverein Oberpfaffenhofen-Weßling.

2. Es ist ein 1. und 2. Vorstand zu wählen. Der 2. Vorstand wird aus dem Ort genommen, dem der 1. Vorstand nicht angehört.

3. Im Vereinsausschuss sind je drei Mitglieder der beiden Vereine.

4. Jedem Verein wird das Vereinseigentum voll gewahrt. Jeder Verein stellt einen eigenen Verwalter.

5. Als Dirigent wird Herr Wöllner vorgeschlagen.

 

 

Die bisherigen Ausführungen sind zum erheblichen Teil mündliche Überlieferungen, bzw. eine nachträgliche schriftliche Fixierung der Erinnerungen von Th. Schneider. Lediglich die Gründungsurkunde ist als Kopie vorhanden. Ab dem 4. Nov. 1923 liegt eine Aufzeichnung der Vorgänge im Original vor, die nachfolgend eingebunden ist in die weitere Darstellung der Vereinsgeschichte.

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Beitritt zum Deutschen Sängerbund im Jahr 1921. Aus einer Bestandsmeldung aus dem Jahr 1937 geht hervor, dass der Verein seit dem Jahr 1921 Mitglied beim Deutschen Sängerbund ist.

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Erstellung einer Satzung. Im Jahr 1925 erarbeiten die Sänger eine Satzung für den Verein. Der Name des Verein: Männergesangverein Oberpfaffenhofen-Weßling. Diesen Namen trägt der Verein bis zum Jahr 1970. Der Mitgliederstand beträgt zu dieser Zeit ca. 30 Mitglieder. Es gehörte zum guten Ton in der Gemeinde, Mitglied beim MGV zu sein.

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Am 7. Juli 1929 wird im großen Rahmen das 25 jährige Gründungsfest gefeiert. Das Bild zeigt das Fahnenband der Ehrenjungfrauen anlässlich dieses Festes.

                              

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In den Jahren 1925 bis 1937 ist der MGV die treibende Kraft für das kulturelle Leben in der Gemeinde. Große Faschingsbälle, Waldfeste und Theateraufführungen, zum großen Teil Singspiele und Konzerte bestimmen die Aktivitäten des Vereins. Unterstützung fand der Vorstand bei Künstlern aus München, die in den Sommermonaten am Weßlinger See ihre Sommerfrische verbrachten. So wurde im Jahr 1925 die Oper „Preciosa" von Carl Maria von Weber mit großem Erfolg aufgeführt.

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Am 5. Jan. 1937 wurde der Verein durch eine Verfügung des stellv. Gauleiters Nippold der KdF unterstellt. Die Mitgliederzahl beträgt in diesem Jahr 23 Sänger.

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In den Kriegsjahren wurde es sehr still um den Verein. Man traf sich zwar nach wie vor wöchentlich im Gasthof Post in Weßling, aber die wenigen Sänger die noch in der Heimat waren, konnten keinen Chor mehr darstellen. Diese wöchentlichen Treffen waren aber auch eine gute Gelegenheit für die Fronturlauber sich wieder einmal im Kreise von Freunden zu treffen. Gesungen wurde zwar noch, aber fast ausschließlich bei der Trauerfeier für gefallene Sangesbrüder.

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Am 2. Februar 1949 wurde die erste Generalversammlung nach dem Krieg einberufen. Schnell fanden sich wieder genügend Sänger die dem Verein beitraten. In den Folgejahren waren es vor allem die Kriegsflüchtlinge, die in Weßling eine neue Heimat gefunden hatten. Der MGV war damit eine gute Möglichkeit für diese Leute sich im Dorf integrieren zu können. Sie waren nicht mehr Flüchtlinge, sondern sie waren, auch durch den MGV, zu Weßlinger Bürger geworden.

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Im Jahr 1948 gründete die Nachbargemeinde Oberpfaffenhofen einen eigenen Gesangverein, der zunächst den Namen hatte: Männergesangverein „Harmonie" Oberpfaffenhofen. Aus Oberpfaffenhofen waren beim bisherigen Verein nur mehr 7 Mitglieder, so ging die Gesamtmitgliederzahl in Weßling von 23 auf 16 Mitglieder zurück.

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Am 29. Mai 1950 wird in Oberpfaffenhofen eine Fahne geweiht. Der Name des Neuen Vereins ab diesem Zeitpunkt: MGV „Sängerlust" Oberpfaffenhofen. Beim MGV Oberpfaffenhofen-Weßling, dem Verein seit dem Jahr 1904, sind ab 1950 nur mehr drei Mitglieder aus der Gemeinde Oberpfaffenhofen, die übrigen Mitglieder aus dieser Gemeinde wechselten zum neuen Verein nach Oberpfaffenhofen.

Mit dieser Fahnenweihe wurde auch der Streit um die Standarte aus dem Jahr 1921 beendet. Der MGV „Sängerlust" Oberpfaffenhofen akzeptierte den Anspruch aus Weßling an die Standarte, da der MGV Oberpfaffenhofen-Weßling, in Weßling, als die Fortführung des gemeinsamen Vereins aus dem Jahr 1904 in Weßling angesehen wird.

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Der in Weßling residierende Verein „MGV Oberpfaffenhofen-Weßling" führte diesen Namen bis zum Jahr 1970, er wurde erst im Jahr 1970 durch eine Änderung der Satzung von 1925 endgültig festgelegt auf „Männergesangverein Weßling.

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Im Jahr 1964 brennt der Saal im Gasthof Post ab. Der Besitzer lässt den ganzen Gasthof abreißen und neu aufbauen, allerdings ohne Saal. Damit verliert nicht nur der Gesangverein seine Heimat, es steht auch im ganzen Dorf kein großer Festsaal mehr für Veranstaltungen zur Verfügungen. Zunächst finden die Sänger Platz im Gasthof „Seehof", wo auch ein kleiner Saal vorhanden ist. Nach einem Pächterwechsel müssen die Sänger umziehen in den Gasthof „Gerz", wo es kein Saal mehr gibt. Ein schwerer Rückschlag für die Chorarbeit.

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Neun Jahre dauert es bis die Gemeinde einen Saal für die Vereine baut. Im Jahr 1973 wird ein neues Freizeitheim in Hochstadt, ein Ortsteil von Weßling, eingeweiht. Auch der MGV Weßling wird dort seine Veranstaltungen abhalten.

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Im Jahr 1974 finden sich 4 Sänger aus dem Verein zusammen und bilden den „Weßlinger Viergesang", der zusammen mit der Gilchinger Stubnmusi in Zukunft bei allen Veranstaltungen des Chores mitwirken wird. Der gesangliche Schwerpunkt der neuen Gruppe, die nach wie vor Mitglieder beim Gesangverein sind, ist der Pflege der Volksmusik.

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Im Jahr 1976 wird eine neue Satzung erarbeitet, diese löst die Satzung aus dem Jahr 1925 ab. Sie ist die Grundlage für die Eintragung in das Vereinsregister. Der Verein führt den Namen: " Männergesangverein Weßling" mit dem Zusatz "e.V.".

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Der Wunsch mit anderen Chören freundschaftliche Beziehungen zu pflegen wurde im Jahr 1978 realisiert. Mit dem Männerchor in Antfeld im Sauerland werden gegenseitige Besuche und gemeinsame Chorkonzerte durchgeführt. Ab 1985 kommt auch Männergesangverein aus Puchberg am Schneeberg, in der Nähe von Baden bei Wien, hinzu. Während die Freundschaft mit Antfeld immer noch besteht, dauerte die Verbindung nach Österreich nur zwei Jahre.

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Zum 75-jährigen Bestehen des Gesangvereins beschließen die Mitglieder eine neue Fahne zu kaufen. Mit vielen Spenden seitens der Gemeinde und Bürgern von Weßling kann die Fahne angeschafft werden und mit einem großen Fest in der Wallfahrtskirche Grünsink geweiht werden. Mit einem großen Festkonzert kann der Chor viele Bürger für den Chorgesang begeistern und die Zahl der aktiven Sänger steigt ab diesem Zeitpunkt von 21 Sängern im Jahr 1974 auf 31 im Jahr 1975. Auch in den Folgejahren ist ein kräftiger Zuwachs bei den aktiven Sängern zu verzeichnen.

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Die neue Fahne von 1979
        

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So wollen wir nach vielen Tiefs und Hochs in der Vereinsgeschichte im Jahr 2004 unser 100-jähriges Bestehen feiern und hoffen durch unser Rahmenprogramm wieder Mitbürger aus unserer Gemeinde für den Chor werben zu können. Die Gemeinde Weßling ist zwar mit ihrer Bevölkerung in den letzten 20 Jahren stark gewachsen, auf die Bereitschaft sich in Vereinen und speziell in einem Chor zu beteiligen, hat sich dieser Zuwachs nicht niedergeschlagen. So wird zu den Hauptaufgaben des Vereins in den nächsten Jahren gehören, durch den Chorgesang die kulturellen Leistungen der Vergangenheit durch Integration der neuen Bürger in der Gemeinde auf einem gutem Stand zu halten.

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Anlässlich seines 100-jährigen Bestehens erhält der MGV Weßling vom Bundespräsidenten die Zelterplakette verliehen. Bei einem Festakt in Kloster Seeon überreicht Kultusminister Goppel die Urkunde und die Plakette an den Vorstand und Chorleiter. Damit die Plakette (15 cm im Durchmesser) nicht in einem Schrank verstaubt, hat der MGV ein Fahnenband in Auftrag gegeben auf dem diesem Ereignis gedacht werden soll.

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100 Jahre konnten wir noch mit einem großen Fest feiern. In der Meldung an den Sängerkreis können wir in diesen Jahren noch eine Mitgliederzahl von 27 aktiven Sängern melden, doch bei den Chorproben ist diese Teilnehmerzahl nie zu erreichen. So nimmt die Zahl der aktiven Sänger ständig ab. So ging Vorstand und Chorleiter an den MGV "Sängerlust" Oberpfaffenhofen, der ähnlich personelle Sorgen hat, heran um über gemeinsame Projekte nachzudenken.

Durch die Verstärkung der Sänger aus Oberpfaffenhofen konnten wir in den folgenden Jahren immer gute Auftritte bei den zwei Grünsinker Festen gestalten.

Ein Dank an die Sängerfreunde von Oberpfaffenhofen an dieser Stelle.